Durch einen Zufall wurde ihr umfangreiches Wissen wiederentdeckt. Der Arzt Dr. Gottfried Hertzka war im 2. Weltkrieg als Arzt an der Front. Medikamente gab es kaum, viele seiner Patienten verstarben. In einer Bibliothek fand er eine alte Schrift über Hildegard’sche Rezepturen. Aus Mangel an Alternativen begann er, Kräuter zu sammeln und mit diesen seine Patienten zu behandeln. Beeindruckt von der Wirkung der zum Teil sehr einfachen Rezepturen begann er, sich intensiv mit der Medizin der mittlerweile heiliggesprochenen Hildegard von Bingen auseinanderzusetzen.

Das Beeindruckende an der Hildegard von Bingen Medizin ist, dass sie den Menschen ganzheitlich behandelt. Die Umwelt der Patienten wird von ihr berücksichtigt, die Ernährung und die psychische Verfassung.

Menschentypen nach Hildegard von Bingen

Hildegard weist in ihrer Lehre darauf hin, dass nicht jeder Mensch alles essen kann – sie charakterisiert Menschen nach verschiedenen Typen und richtet nach jenen ihre Ernährungsempfehlungen. Hildegard von Bingens Typeneinteilung gleicht der, die schon die griechischen Heilkundigen in der Vier-Säfte-Lehre beschrieben:

DER SANGUINIKER: gesprächig, überzeugend, kreativ, optimistisch

DER CHOLERIKER: dominant, ehrgeizig, ungeduldig, selbstbewusst

DER MELANCHOLIKER: sensibel, ordentlich, treu, einfühlsam

DER PHLEGMATIKER: gemütlich, tolerant, friedliebend

Ausleitverfahren, die Reinigung des Körpers

Ein Gebiet, das Hildegard ausführlich behandelt, umfasst die Reinigung des Körpers. Viele Krankheiten entstehen, weil die Entgiftungsorgane überlastet sind.

HEILFASTEN: Heilfasten wird auch als Chirurgie ohne Messer bezeichnet. Vor jedem großen Feiertag findet sich eine Fastenempfehlung: 40 Tage vor Ostern, 3 Wochen vor Weihnachten. Zusätzlich werden Freitage und Mittwoche als Fastentage empfohlen. Fasten ist Hochleistung für den Körper. Dazu braucht der Körper Zeit, Muße und Unterstützung beim Entgiften.

Ernährung Nach Hildegard von Bingen

Bei der Ernährung ist für Hildegard von Bingen nicht nur die Auswahl der Lebensmittel sondern auch die „discretio“, das richtige Maß entscheidend.

GETREIDE: Zu Hildegards Zeiten stand neben Dinkel, dem sie den Vorzug gab, auch Gerste, Hafer, Hirse und Buchweizen auf dem Speiseplan.

GEMÜSE: Optimalerweise sollte Gemüse gedünstet oder gekocht werden.

OBST: Auch Obst verarbeitet Hildegard von Bingen gerne zu Kompott.

FLEISCH & FISCH: Hier empfiehlt Hildegard vor allem Wild, Lamm, Geflügel oder Fisch.

KÜCHENGIFTE: Bei sogenannten Küchengiften handelt es sich um Lebensmittel, die (speziell von Kranken) gemieden werden sollen: Steinobst, Erdbeeren, Heidelbeeren, Lauch, Weizenmehl.